Argumente

Argumente gegen Deponie und Aufbereitungsanlage in Bärenstein

Argumentesammlung der Bürgerinitiative Bärenstein für Sachsens Umweltminister Günther:
Was sind Naturschutz und bäuerliche Kleinbetriebe eigentlich noch wert?

Handout an den sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer:
Argumente gegen eine Lithiumaufbereitungsanlage und Deponie in Bärenstein/Bärensteiner Höhe

 

Die Bürgerinitiative sammelt hier alle eure Einwände gegen das Errichten einer Deponie und einer Aufbereitungsanlage durch die Zinnwald Lithium GmbH. Sollte dir noch etwas fehlen kontaktiere uns bitte dass wir das ergänzen können.

 

Trinkwasserbrunnen im Dorf

 

Viele Bewohner unseres Dorfes sind aufgrund Ihrer Lage oder der Bedingungen des Trinkwasserversorgers nicht an der Trinkwasserleitung aus dem Trinkwasserspeicher Galgenteich in Altenberg angeschlossen. Wir befürchten eine dramatische Verschlechterung unseres Grundwassers durch Deponierung von Bergwerksabraum, sowohl taubes Gestein als auch Röstprodukt der Aufbereitungsanlage.

 

Verkehr

 

Geplant ist die Errichtung einer gigantischen Lithium Aufbereitungsanlage von 12,6 ha. Zur Versorgung mit Rohstoffen plant die Zinnwald Lithium Gmbh z.B. Gips anliefern zu lassen, nach unseren Berechnungen 40 LKw pro Tag. Wir möchten keine Transporte in diesen Dimensionen. Wo sollen die alle langfahren, durch das Nadelöhr in Lauenstein quasi über den Schulhof unserer Kinder? Wir schätzen die Ruhe in unserem Ort, und hoffen das das auch so bleibt.

 

Naturschutz

 

Unsere Natur ist einzigartig. Durch jahrelange Pflege konnte so der Artenreichtum erhalten werden. Dokumentiert sind Bergwiesen mit vielen verschiedenen Kräutern und Blumen. Durch späte Mahd werden die Pflanzen nicht daran gehindert weiter auszusamen. Viele Insekten sind spezialisiert auf „ihre“ Pflanzenart, diese wegzudeponieren vernichtet die Lebensräume der Vielfalt. Wir wollen diese Natur erhalten und weiter schützen.

 

Kulturgut Steinrücken

 

Die Bergwiesen sind im Laufe von Generationen von den Landwirten händisch von den Steinen befreit worden. Diese wurden an den Rändern aufgeschichtet und wurden zu den begrenzenden Steinrücken – ein einzigartiger Lebensraum für viele seltene Tiere wie z.B. dem Feuersalamander oder der Kreuzotter.  Häufig zu sehen sind Eidechsen. Eine Deponie bis 2047 würde alles Leben ersticken und unser Kulturgut vernichten. Unsere Steinrücken standen schon zu DDR-Zeiten unter besonderem Schutz und konnten größtenteils erhalten werden.

 

Hochwasser

 

Unsere Region wurde immer wieder von Hochwasserereigissen betroffen. Die Folgen der geplanten Aufbereitungsanlage und Deponie müssen deshalb auch für den Hochwasserfall untersucht werden.
Wir fordern die Untersuchung der Auswirkungen eines Hochwasserereignisses wie im August 2002 mit den für unsere Region relevanten Daten der Wetterstation Zinnwald für beide geplanten Standorte der Aufbereitungsanlage und für beide geplanten Deponiestandorte. Wir wollen wissen, was die Folgen für die Häuser und Grundstücke der August-Bebel-Straße, der Bahnhofstraße und der Müglitztalstraße in Bärenstein sowie darüber hinaus bis nach Glashütte wären.
Die überplanten Gebiete für Erzförderung (Zinnwald) sowie Aufbereitung und Deponierung (Bärenstein) befinden sich im Hochwasserentstehungsgebiet. In diesen Gebieten ist das Vernichten von Waldgebieten verboten. Durch das Lithium-Projekt ist aber genau das geplant.Deshalb sollte es sich hier um ein Ausschlusskriterium handeln, das heißt, dass das Lithium-Projekt im Hochwasserentstehungsgebiet nicht realisiert werden kann.
 
 

Erztransport durch den Entwässerungsstollen

 

Zur Zeit wird das Grubenwasser aus dem stillgelegten Zinnerzbergbau Altenberg durch den Entwässerungsstollen ins Bielatal geleitet und dort in die Kleine Biela eingeleitet. Nun soll in diesem Stollen zusätzlich jährlich 1,5 Mio Tonnen Erz aus Zinnwald transportiert werden. Auch hier stellt sich die Frage nach dem Hochwasserschutz.

Wir erinnern uns an die Überschwemmungen durch den Entwässerungsstollen im Bielatal 2002 und im Juni 2013 – ohne Erztransport.  

Was passiert, wenn bei Hochwasser und bei langanhaltenden Regenperioden im Entwässerungsstollen zusätzlich zum Grubenwasser noch Erz sowie das Grubenwasser des neu geplanten Stollens Zinnwald-Altenberg transportiert wird?

Wir fordern die Modellierung des Entwässerungsverhaltens des Entwässerungsstollens für die geplante Erzförderung für die Hochwasserfälle August 2002 sowie Juni 2013 und für langanhaltende Regenperioden. Funktioniert dann der Stollen noch als Entwässerung für den Zinnerz-Altbergbau und kommt es zu Schäden (Tagesbrüchen) im Raum Altenberg? Kommt es zur Vermischung des Wassers mit dem Erz (àGeröll-Lawine) und zur Verkeilung von Erzförderanlagen in den Stollen? Welche Schäden sind für das Bielatal zu erwarten? 

 

Vernichtung von Bioflächen

 

Wir wollen 30% unserer Agrarflächen biozertifiziert bearbeiten. Hier werden gleich 60 ha geopfert.

 

Eisenbahnanbindung durch Naturschutzgebiet

 

Der geplante Gleisanschluss oberhalb der ehemaligen Spülkippe würde das Vorhaben mit dem öffentlichen Bahnnetz verknüpfen. Dies hätte zur Folge, dass der gesamte Güterverkehr über eine Strecke von 1,5 km direkt durch das Naturschutzgebiet Geisingberg verläuft und es auf weiteren 800 m direkt berührt. Diese Situation würde voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt haben, insbesondere angesichts der aktuellen Angaben, wonach täglich 8 Güterzüge mit je 500 Tonnen Ladung (entsprechend etwa 10 Waggons) auf dieser Strecke hin und zurück unterwegs sein sollen.

Abgesehen von der zusätzlichen Verkehrsbelastung für alle Gemeinden talabwärts ist es besonders bedenklich, dass die Stadt Geising, in der unmittelbaren Nähe eine Eisenbahnbrücke verläuft, einer derartigen Belastung ausgesetzt werden könnte.

 

Ortsferne Deponierung 

 

Die Zinnwald Lithium GmbH errichtet eine Aufbereitungsanlage und Deponieflächen auf ökologisch intakten artenreichen Flächen, verspricht die geborgenen Gesteinsmassen wieder in den Berg zurückzubauen. Die Zinnwald Lithium GmbH möchte den Entwässerungsstollen nutzen um bergab das Gestein besser abfahren zu können. Zurück in den Berg geht es wieder bergauf. Warum muss das Gestein dafür auf 60 ha deponiert werden? In 8km Entfernung unterirdisch abtransportiert werden? Wir fordern die ortsnahe Trennung von taubem Gestein und Lithiumerz um die Deponie zu verhindern. Wir fordern den zeitnahen Einbau der Gesteinsmassen ohne 20 jährige Deponierung. Am Ende könnte die Zinnwald Lithium GmbH in Konkurs gehen und dem Steuerzahler die Renaturierung der Deponie überlassen. Gar nicht erst anlegen!

 

Zusammenarbeit mit Tschechien

 

Es ist bemerkenswert, dass auf tschechischer Seite ebenfalls ein Bergbaukonzern dieselben Lithium-Erzkörper abbaut. Hier stellt sich die Frage, ob eine Verdopplung von Deponien, Aufbereitungsanlagen, Bergbauunternehmen und kostenintensiven Planfeststellungsverfahren wirklich im besten Interesse beider Nationen liegt.

Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass auf tschechischer Seite der Staat mit einem Anteil von 51 % Hauptanteilseigner des Bergbauunternehmens ist, wodurch eine gezieltere Berücksichtigung der Belange der Bevölkerung ermöglicht wird. Im Gegensatz dazu werden auf deutscher Seite ausschließlich Erkundungs- und Bergbaurechte an einen britischen Aktienkonzern und dessen Tochterunternehmen vergeben. Als souveräner Staat sollten wir eine aktivere Rolle einnehmen können, um das Wohl unserer Bürger und der tschechischen Bevölkerung sicherzustellen.

Bisher ist mir keine direkte Beteiligung des Freistaats  an den Gewinnen aus der Lithiumförderung bekannt. Möglicherweise ist es sogar im Interesse des Freistaats, den Lithiumabbau zu überdenken, da der Wert dieser Ressource zweifellos nicht abnehmen wird. Eine enge Kooperation mit Tschechien, das bereits Pläne zur Kontrolle der Lithiumvorräte hegt, könnte sich als äußerst vorteilhaft erweisen. Besonders im Hinblick auf das Wohl beider Nationen und die Stärkung der europäischen Unabhängigkeit sollten wir eine Partnerschaft in Erwägung ziehen.

Argumente zur Deponierung

Die Planung der beiden Varianten, in unmittelbarer Nähe von Bärenstein eine Trockendeponie für die Reststoffe der Aufbereitung zu errichten, macht uns fassungslos. Hier dennoch ein Versuch, sich auf den Untersuchungsrahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung zu konzentrieren:

  • In der Tischvorlage wird der Transportweg des Versatzmaterials von Bärenstein zurück nach Zinnwald nicht beschrieben. Damit ist die Projektskizze (Tischvorlage) unvollständig. Die Auswirkungen dieses Prozess-Schrittes auf alle Schutzgüter müssen untersucht werden.
  • Die Mengenbilanzen aller eingesetzten Materialien im Aufbereitungsprozess müssen von einem anerkannten Ingenieurbüro überprüft werden. Laut Tischvorlage, Abbildung 8, sollen 1.500.000 t/a Erz gefördert werden, aber nur 506.000 t/a für den Versatz genutzt werden.
  • In der Tischvorlage, Tabelle 2, steht, dass Mineralschlämme für Versatz und Depot vorgesehen sind. Im Mineralschlamm soll laut Tischvorlage die Feinfraktion <63 μm enthalten sein.

Schutzgut Mensch: Es ist bekannt, dass der Staub, der bei Trockenheit von der Spülkippe (IAA) der Zinnerz-Aufbereitung verweht wurde (bis ca. 1990), lungenschädigend war. Es ist die Gesundheitsgefährdung der Stoffgruppen, die für die Trockendeponierung vorgesehenen sind (u.a. Feinfraktion <63 μm und Röstprodukt) zu ermitteln, vor allem für Lunge und Schleimhäute, für alle Altersgruppen (0 bis 99 Jahre) sowie Schwangere.

  • Schutzgut Landschaft sowie Luft und Klima: Das Trockendepot-Verfahren (Dry Stack Tailings) wird vor allem in Wüsten und Halbwüsten angewendet. Wir protestieren entschieden dagegen, dass dieses Verfahren überhaupt in Erwägung gezogen wird.

Die Auswirkung der Trockendeponierung auf die Bewohner und alle Flächen in 10 km Umkreis um die geplanten Deponien beider Varianten ist zu untersuchen, vor allem die Staubbelastung und die Erholungswirkung auf unsere Tourismusregion.

Unser Gebiet ist eines der letzten Gebiete in Sachsen, wo noch Schnee über einen längeren Zeitraum liegt, wenn leider auch nicht in jedem Winter. Die Folgen für die Schneedecke (u. a. rote Staubablagerung), die Schneeschmelze sowie den Skitourismus sind zu untersuchen.

  • Schutzgut Kulturgut und andere Sachgüter: Es ist zu untersuchen, ob der Kurstadt-Status der Stadt Altenberg durch die Trockendeponierung gefährdet ist. Die Auswirkungen auf die Kureinrichtungen Altenbergs sind ebenfalls zu untersuchen.

 

Argumente zum Prozesswasserbedarf

 

Die Tischvorlage enthält keine Angabe zum Wasserbedarf für die geplante Aufbereitung. Da dieser Fakt nicht bekannt ist, kann mit der Festlegung des Untersuchungsrahmens nicht begonnen werden. Recherchen ergaben, dass für die Gewinnung von einer Tonne Lithiumhydroxid aus Erz 69 m³ Frischwasser benötigt werden. Quelle: Germany Trade & Invest / S. Schmitt vom 06.05.2022. Für die geplante Produktion von 17.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr bedeutet das einen Frischwasserbedarf von 1,173 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr. Das sind 3213 Kubikmeter pro Tag und 134 Kubikmeter pro Stunde. Dieses Frischwasser steht an den Standorten beider Varianten für die Aufbereitungsanlage nicht zur Verfügung. Wir befürchten, dass das benötigte Wasser der Region weiträumig entzogen wird und anderen Nutzungen nicht mehr zur Verfügung steht. Das darf auf keinen Fall passieren. Die Auswirkungen dieses Wasserentzugs auf alle Schutzgüter der Region oberes Osterzgebirge ist zu untersuchen., was aber erst möglich ist, nachdem der Antragsteller Angaben zum Bedarf und zu den Orten des geplanten Wasserentzugs gemacht hat. 

Diese Liste ist nicht vollständig. Wir machen das ehrenamtlich und freuen uns über alle Bürger die mitmachen möchten. Schreibt uns. Ihr seid Bärenstein!