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Anhörung im Sächsischen Landtag: Zinnwald Lithium unter Expertenkritik

Bei der heutigen Expertenanhörung im Sächsischen Landtag zum geplanten Lithiumprojekt Zinnwald zeigte sich ein deutlich nüchterneres Bild als es die Unternehmensdarstellungen von Zinnwald Lithium vermitteln. Rund 20 Abgeordnete aller Fraktionen nahmen an der Sitzung teil. Vertreter der Presse waren hingegen nicht anwesend.

Auf der Besuchertribüne befanden sich lediglich zwei Vertreter der Bürgerinitiativen sowie ein Vertreter von Zinnwald Lithium: der für Öffentlichkeitsarbeit bekannte Medienberater Fröbe. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass in den kommenden Tagen Pressemitteilungen des Unternehmens erscheinen werden, die ein deutlich geschöntes Bild der Anhörung zeichnen könnten – ohne journalistische Gegenprüfung vor Ort.

Vier Sachverständige stellten ihre Einschätzungen vor – mit teils erheblichen Zweifeln an Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Zeitplan des Vorhabens.

Dr. Monika Dittrich (Wuppertal Institut) stellte vor allem die wirtschaftlichen Grundlagen des Projekts in Frage. Neue Szenarien gingen von einer geringeren Lithium-Nachfrage aus als frühere Prognosen. Technologischer Fortschritt sowie zunehmendes Lithium-Recycling würden die Angebots-Bedarfs-Lücke weiter schließen. Die Wirtschaftlichkeitsannahmen von Zinnwald Lithium bezeichnete sie als „ausgesprochen spannend“ und mahnte zu deutlich größerer Vorsicht.

Dr. Falk Ebersbach (Oberbergamt Sachsen) erläuterte das Genehmigungsverfahren und machte deutlich, dass noch keine Entscheidung über eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung getroffen sei. Er betonte, dass das Projekt nur genehmigt werden könne, wenn „gemeinschädliche Auswirkungen ausgeschlossen“ seien – räumte jedoch gleichzeitig ein, dass Geländesenkungen nicht vollständig vermeidbar seien.
Beim Thema Wasser verwies er auf Verschlechterungsverbot und Verbesserungsgebot. Zudem erklärte er offen, dass das Oberbergamt personell an seine Grenzen stoßen würde. Andere Projekte müssten zurückgestellt werden, um dieses Verfahren bewältigen zu können.
Den von der EU angestrebten CRMA-Zeitplan von 27 Monaten bezeichnete er als „sehr sportlich“. Eine Genehmigung bis 2030 sei nur mit einer außergewöhnlich eng abgestimmten Behördenkooperation realistisch – andernfalls nicht erreichbar.

Dr. Michael Trinkler (unabhängiger Bergbaugutachter) legte zahlreiche technologische Risiken offen. Er warnte vor Problemen bei der Standsicherheit des Bergwerks, vor dem geplanten Versatzverfahren sowie vor den Halden in Liebenau. Abwehungen und Abspülungen seien bei den vorgesehenen offenen Flächen ein erhebliches Risiko.
Auch wirtschaftlich äußerte er deutliche Zweifel: Der Lithiumpreis sei extrem volatil, technologische Alternativen könnten die Nachfrage kurzfristig verändern. Sinngemäß stellte er fest, dass Lithium unter Umständen schneller an Bedeutung verlieren könne, als heute angenommen wird.

Marko Uhlig (Zinnwald Lithium) blieb in seinen Aussagen vage. Er sprach erneut von einer geplanten Investitionssumme von rund einer Milliarde Euro, räumte jedoch ein, dass bislang lediglich rund 40 Millionen Euro eingesammelt wurden. Staatliche Förderungen seien derzeit nicht in Aussicht, da der erforderliche Eigenmittelanteil fehle.
Die erhebliche Finanzierungslücke zwischen diesen Beträgen blieb unbeantwortet. Den Zeitplan bis 2030 hält Uhlig weiterhin „noch“ für realistisch – ergänzt allerdings um den Hinweis, dass mehr Geld auch mehr Ingenieurskapazität ermöglichen würde.

Medienrealität und Verantwortung

Da keine Pressevertreter anwesend waren, besteht die reale Gefahr, dass kommende Berichte zur Anhörung ausschließlich auf Unternehmensdarstellungen beruhen. Erfahrungsgemäß werden solche Pressemitteilungen in vielen Redaktionen ungeprüft übernommen. Eine unabhängige journalistische Einordnung der tatsächlichen Inhalte der Anhörung ist daher umso wichtiger.

Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung darf öffentliche Meinungsbildung nicht durch selektive Darstellung geprägt werden, sondern muss auf vollständiger und überprüfbarer Information beruhen.

Fazit

Die Anhörung zeigte deutlich:
Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Umweltfolgen und Zeitplanung des Zinnwald-Projekts sind keineswegs geklärt. Von politischer Aufbruchsstimmung oder verlässlichem Rückenwind war im Landtag wenig zu spüren. Auch eine nennenswerte staatliche Förderung ist derzeit nicht in Sicht.

Der Eindruck vieler Beobachter: Das Projekt wirkt ambitioniert, riskant und in zentralen Punkten weiterhin ungeklärt.

Am Rande der Sitzung wurde der Grünen-Abgeordnete Wolfram Günther eingeladen, dass direkte  Gespräch mit den Bürgerinitiativen zu suchen. Die Menschen im Ost-Erzgebirge erwarten eine offene, transparente und ergebnisoffene Diskussion über die Zukunft der Region.

Denn klar ist: Über ein Projekt dieser Größenordnung darf nicht auf Basis von PR-Strategien entschieden werden – sondern nur auf Grundlage realistischer Zahlen, nachvollziehbarer Risiken und ehrlicher Abwägungen.

Bürgerinitiativen sehen ihre Skepsis gegenüber Lithiumplänen bestätigt

Pressemitteilung, 25. November 2025

Bürgerinitiativen sehen ihre Skepsis gegenüber Lithiumplänen bestätigt

Bürgerinitiative Liebenau
Bürgerinitiative Bärenstein
IG Zinnwald
Cinvald z.s
Grüne Liga Osterzgebirge e.V.
Natürlich!Osterzgebirge e.V.

Ein großer Haufen Müll

Die vier „Lithium-BI’s“ des Ost-Erzgebirges, unterstützt vom Umweltverband Grüne Liga Osterzgebirge, haben sich intensiv mit den bisher bekannt gewordenen Unterlagen zum geplanten Lithium-Bergbau auseinandergesetzt. Ihre Schlussfolgerung lautet: vollkommen inakzeptabel.

Zinnwald Lithium Plc/GmbH veröffentlichte in diesem Jahr mehrere umfangreiche Dokument-Pakete:
– im März eine Vormachbarkeitsstudie (Pre-Feasibility Study, PFS);
– im Juni die Antragsunterlagen zur Raumverträglichkeitsprüfung (RVP);
– und jetzt vor kurzem den „Untersuchungsrahmen“ für eine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung (USVP).
Mitglieder der bergbaukritischen Bürgerinitiativen sowie der Grünen Liga haben die insgesamt ca. 1.000 Textseiten und zahlreichen Anhänge sehr gründlich gelesen. Dabei stellten sie eine Vielzahl von Widersprüchen, Ungereimtheiten und auch Falschbehauptungen fest. Drei besonders besorgniserregende Beispiele:

  • Beim Umrechnen und Zusammenaddieren der für die RVP aufgeführten Daten zum
    benötigten Prozesswasser zeigte sich, dass Zinnwald Lithium mit einem Zehntel des
    Wasserbedarfs des ehemaligen VEB Zinnerz Altenberg auszukommen glaubt. Nur
    hatte auch damals, in den 1980er Jahren, das Wasser nie gereicht, deshalb wurde der neue
    Galgenteich angefangen zu bauen (heute Trinkwassertalsperre), und deshalb litten Mensch
    und Natur unter den giftigen, scharfkantigen Stäuben vom „Roten Meer“ (Spülkippe im
    Bielatal), weil die Ablagerungen nicht mehr ausreichend feucht gehalten wurden und
    deshalb verweht werden konnten.“
  • Auf dem Höhenrücken östlich von Liebenau, im Quellgebiet von Trebnitz und Seidewitz
    (und hart am Trinkwassereinzugsgebiet der Talsperre Gottleuba), plant Zinnwald Lithium
    eine Abraumhalde von unvorstellbaren Dimensionen: 75 Hektar und 60 Meter Höhe.
    Doch wird diese Deponie laut PFS nur 11,5 bis 18 Jahre reichen, all den feingemahlenen
    Abraum aufzunehmen. Bei 40 Jahren Laufzeit des Bergwerks wären also noch mindestens
    zwei weitere Abraumberge dieser Größenordnung erforderlich.
  • Ganz besonders bedenklich: Die Standsicherheit von Zinnwald wird mit Gutachten von
    2018/19 begründet – als die geplanten Abbaumengen noch weniger als ein Drittel dessen
    betrugen, was jetzt von ZL offiziell beantragt wird (laut Vormachbarkeitsstudie sogar das
    Siebenfache!). Überhaupt nicht berücksichtigt dabei sind die Sprengungen nebenan, auf
    der tschechischen Seite der Grenze – wo sich die von Geomet s.r.o. geplanten
    Abbaumengen in den letzten Jahren ebenfalls vervielfacht haben.

Sämtliche Dokumente hat Zinnwald Lithium von Fremdfirmen erarbeiten lassen, die offenkundig kaum Ortskenntnis besitzen. So werden für die RVP die meteorologischen Windbedingungen von Dresden-Klotzsche verwendet als Grundlage für die Berechnung der Staubausbreitung von der geplanten Abraumdeponie bei Liebenau.  (Tatsächlich wäre aufgrund der Gebirgslage und der Besonderheit des „Böhmischen Windes“ mit einer wesentlich weiträumigeren Verwehung der gesundheitsgefährdenden Stäube zu rechnen.)
Die (offenbar aus dem Englischen übersetzte) USVP verwechselt Bärenstein mit dem gleichnamigen Ort im mittleren Erzgebirge (2.249 Einwohner), gibt die Einwohnerzahl von Dittersdorf mit 3.600 an (tatsächlich: ca. 600) und verortet in Altenberg eine Behinderteneinrichtung namens „Hof Altenberg“ – die tatsächlich aber in Österreich liegt.
Wirklich peinlich wirkt das Kapitel „Öffentliche Sicherheit und Gefahrenabwehr“ der USVP. Da wird behauptet, in Altenberg läge „die Zahl der gemeldeten Straftaten pro 100.000 Einwohner bei 8.687, mit bemerkenswerten Zahlen in Bereichen wie … Gewaltkriminalität (144 Vorfälle).“ Dies hieße: alle zweieinhalb Tage ein Fall von „Mord, Totschlag, … schwere Körperverletzung, … Vergewaltigung, … erpresserischer Menschenraub, …“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltkriminalität).
Im Vergleich zu Bad Gottleuba-Berggießhübel jedoch erscheint Altenberg nach der USVP von Zinnwald-Lithium geradezu als Insel des Friedens! Dort im Gottleubatal „… ist die Zahl der Straftaten mit 45.543 je 100.000 Einwohner deutlich höher. Diese Gemeinde verzeichnete eine hohe Zahl von Eigentumsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit, was wahrscheinlich durch verschiedene städtische und sozioökonomische Faktoren beeinflusst wurde.“ (USVP, S.166)

Die Unterlagen für die „Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung“ ließ Zinnwald Lithium von einem britisch-multinationalen Beratungskonzern namens ERM (Environmental Resources Management) erstellen. Das Unternehmen hat international unter Menschenrechtlern und Umweltschützern eine zweifelhafte Reputation für das „Greenwashing“ von Großprojekten der Erdölindustrie. Einige Beispiele dokumentiert https://en.wikipedia.org/wiki/ERM_(consultancy).

Kristine Hennig von der Interessengemeinschaft Zinnwald bringt es auf den Punkt: „Die Bewohner der Region ängstigen vor allem die immer größeren Dimensionen der geplanten Lithium-Bergbauprojekte beiderseits der Grenze.“ Noch vor wenigen Jahren, 2019, wollte die Deutsche Lithium GmbH in Zinnwald eine halbe Million Tonnen Erz im Jahr fördern, das Konkurrenzunternehmen Geomet s.r.o. plante unter Cínovec mit ähnlichen Größenordnungen. 2023 verkündete die Deutsche Lithium, aus der kurze Zeit später Zinnwald Lithium hervorging, eine Steigerung der Planzahlen auf 1,5 Millionen Tonnen Erz pro Jahr. Geomet hatte da schon auf 1,7 bis 2,3 Millionen t/a erhöht, jetzt plant das australisch-tschechische
Unternehmen offiziell mit 3,2 Millionen Tonnen pro Jahr.
Die bei Behörden eingereichten Genehmigungsanträge (einschließlich der Raumverträglichkeitsprüfung) von Zinnwald Lithium beruhen noch immer auf den 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr. Tatsächlich aber wäre, laut Vormachbarkeitsstudie, das Projekt allenfalls mit einer „Phase 2“ profitabel (und auch das nur, wenn der Lithiumpreis auf das Doppelte bis Dreifache des Niveaus der letzten zwei Jahre steigen würde). Diese Phase 2 müsste nach wenigen Jahren einsetzen und die Jahresförderung auf 3,5 Millionen Tonnen Erz pro Jahr nach oben treiben. Zum Vergleich: dies entspräche einer Güterzuglänge von 1.200 Kilometern – alles aus dem Untergrund des Bergdörfchens Zinnwald, jedes Jahr.

„Großindustrielle Bergbauprojekte in diesen Dimensionen sind in der vielgestaltigen, artenreichen und seit Jahrhunderten besiedelten Kulturlandschaft des Ost-Erzgebirges nie und nimmer ‚umwelt- und sozialverträglich‘ umzusetzen.“, so Lukas Häuser von der BI Bärenstein. Die Bürgerinitiativen und die Grüne Liga Osterzgebirge fordern deshalb Unternehmen und Politik dringend zu Realismus und Verantwortungsbewusstsein auf. Auf der Basis der jetzigen Planungen ist die Lithiumförderung hier weder genehmigungsfähig noch praktisch realisierbar – Umweltverträglichkeit völlig ausgeschlossen.

Die Grüne Liga Osterzgebirge lädt für Sonntag, den 7. Dezember, zu einer Naturkundlichen Wanderung über die Löwenhainer Höhe ein, wo Zinnwald Lithium Plc/GmbH aktuell neue Probebohrungen beantragt. Treff ist 10:05 Uhr am Bahnhof Geising.

Jens Weber

Kontakt für Rückfragen: jens@osterzgebirge.org

Weiterführende Informationen:

    https://osterzgebirge.org/de/2025/11/22/ki-oder-keine-ahnung

    https://osterzgebirge.org/de/2025/11/24/naturkundliche-adventswanderung-ueber-die-loewenhainer-hoehe/

    https://osterzgebirge.org/de/natur-schuetzen/gefahren/lithium-bergbau/

    https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2025/08/Stellungnahme-Gruene-LigaOsterzgebirge-Raumvertraeglichkeitspruefung-Zinnwald-Lithium.pdf

    https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2025/09/Ergaenzung-zur-StellungnahmeGruene-Liga-Osterzgebirge-Raumvertraeglichkeitspruefung-Zinnwald-Lithium.pdf

    https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2025/04/Vormachbarkeitsstudie-ZinnwaldLithium-Plausibilitaets-Check.pdf

    https://www.bi-liebenau.de/pages/posts/argumente-und-einwande-zurraumvertraglichkeitsprufung-der-planungen-der-lithium-zinnwald-gmbh-20.php

    Bürgerinitiative Bärenstein
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