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Raumordnungsbehörde bestätigt massive Risiken beim Lithiumprojekt Zinnwald

Bürgerinitiativen sehen ihre zentralen Bedenken umfassend bestätigt

Landesdirektion setzt Zinnwald Lithium GrenzenDie raumordnerische Stellungnahme der Landesdirektion Sachsen zum geplanten Lithiumprojekt Zinnwald bestätigt ein außergewöhnlich hohes Konfliktpotenzial in nahezu allen zentralen Schutzgütern. Betroffen sind insbesondere Wasser, Hochwasser, Natur, Tourismus, Welterbe, Kulturlandschaft, Verkehr sowie die langfristige Regionalentwicklung.

Die Behörde stellt klar, dass das Vorhaben nur unter sehr strengen, bislang nicht erfüllten Voraussetzungen überhaupt genehmigungsfähig wäre. Zahlreiche Aspekte werden ausdrücklich als fehlerhaft, unvollständig oder nicht ausreichend untersucht bewertet.

Keine vorausschauende Gesamtplanung

Die Raumordnungsbehörde kritisiert, dass das Projekt nicht auf einer vorausschauenden Gesamtplanung beruht. Weitere Projektphasen mit höherem Wasserbedarf, zusätzlichen Emissionen und größerem Flächenverbrauch sollen erst nachträglich genehmigt werden. Dies widerspricht ausdrücklich den Grundsätzen der Raumordnung. Nachträgliche Erweiterungen von Depot, Flächen- und Ressourcenbedarf sind zu vermeiden.

Erhebliche Risiken für Wasser und Trinkwasserversorgung

Besonders schwer wiegen die Feststellungen zum Wasserhaushalt. Zusätzliche Entnahmen aus Grund- und Oberflächenwasser bergen erhebliche Risiken für Landschaftswasserhaushalt und Gewässerökologie, insbesondere in Trockenperioden. Eine Wasserentnahme aus den Einzugsgebieten der Trinkwassertalsperren Gottleuba und Altenberg sowie aus den vorgesehenen Überleitungsgebieten wird ausgeschlossen.

Die Landesdirektion weist darauf hin, dass die in den Vorhabensunterlagen genannten Wasserquellen nicht in dem angegebenen Umfang zur Verfügung stehen. Gleichzeitig bestehen erhebliche Unsicherheiten zur Mobilisierung und Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser nach dem späteren Wiederanstieg.

Naturnahe Quellbereiche und Fließgewässer, insbesondere der Trebnitzbach, müssen vollständig von Bebauung freigehalten werden. Ein Mindestwasserabfluss ist zwingend einzuhalten, um eine Verschlechterung des ökologischen Zustands zu verhindern.

Für das gesamte Projekt ist ein unabhängiges hydrologisches Gutachten vorgeschrieben. Zulassungsentscheidungen dürfen ausschließlich auf Lösungen beruhen, die erhebliche Beeinträchtigungen des Landschaftswasserhaushalts sicher ausschließen.

Hochwasserschutz und Standsicherheit

Aufgrund der Lage im Hochwasserentstehungsgebiet Geising-Altenberg fordert die Landesdirektion umfassende Vorsorge, damit eine Erhöhung der Hochwassergefährdung ausgeschlossen wird – auch bei Extremereignissen. Die Standsicherheit des geplanten Depots sowie mögliche Auswirkungen auf das Hochwasserrückhaltebecken Lauenstein werden kritisch bewertet.

Zudem warnt die Behörde vor möglichen Bergschäden in den Ortschaften Zinnwald-Georgenfeld, Geising und Liebenau mit potenziellen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Tourismus und Kurortstatus massiv gefährdet

Die Landesdirektion stellt klar, dass die Funktion der Urlaubsregion Altenberg als umwelt- und naturbezogener Freizeit- und Erholungsraum nicht beeinträchtigt werden darf. Beeinträchtigungen, die den Kurortstatus gefährden oder zu Imageschäden und sinkenden Gästezahlen führen könnten, sind zu vermeiden.

Kurzfristiger Rohstoffabbau darf nicht die langfristigen wirtschaftlichen Standbeine in Tourismus und Gesundheitswirtschaft gefährden. Solange Abbaumethode und belastbare Gutachten fehlen, ist von einem hohen Konfliktpotenzial auszugehen.

UNESCO-Welterbe in hohem Maße betroffen

Für die Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald wird ein hohes Konfliktpotenzial festgestellt. Risiken bestehen für die Standsicherheit historischer Anlagen, für das Besucherbergwerk sowie für das Welterbeobjekt Aschergraben einschließlich seiner Quell- und Moorbereiche.

Eine Gefährdung des Welterbes ist auszuschließen. Deshalb fordert die Landesdirektion zwingend eine Erbe-Verträglichkeitsprüfung mit Sichtfeldanalysen und Visualisierungen.

Aufbereitungsstandort Liebenau besonders problematisch

Der Aufbereitungsstandort rückt unmittelbar an das historische Waldhufendorf Liebenau heran. Die Dimensionen von Aufbereitungsanlage und Depot stehen nicht im Einklang mit dem historischen Siedlungsgefüge und können gesundheitliche Belange der Bevölkerung beeinträchtigen. Eine deutliche Reduzierung der Depotfläche wird gefordert.

Zusätzlich wird die dauerhafte Umnutzung landwirtschaftlicher Flächen kritisch gesehen.

Verkehr, Lärm, Staub

Der Standort verursacht ein erhebliches Verkehrsaufkommen. Der fehlende Bahnanschluss wird als klarer Nachteil bewertet. Verkehrsstörungen könnten zusätzliche Belastungen in den Ortslagen verursachen.

Für Liebenau werden erhebliche nächtliche Lärmbelastungen nicht ausgeschlossen. Die bisherigen Prognosen basieren auf Daten der Messstation Dresden-Klotzsche und gelten als unsicher. Auch Staubimmissionen und mögliche Beeinträchtigungen des Solarparks Waltersdorf werden ausdrücklich benannt.

Naturschutz und Moore

Das Vorhaben hat erhebliche Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und biologische Vielfalt. Moore, Nassstandorte und NATURA-2000-Gebiete sind besonders gefährdet. Das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ ist ausdrücklich zu berücksichtigen.

Fehlende grenzüberschreitende Abstimmung

Trotz der grenzüberschreitenden Lagerstätte Zinnwald/Cínovec fehlt bislang eine abgestimmte Planung mit Tschechien. Parallele Infrastrukturen widersprechen dem Ressourcenschutz. Die Landesdirektion fordert eine kooperative, grenzüberschreitende Gesamtplanung und die Vermeidung kumulativer Umweltauswirkungen.

Fazit der Bürgerinitiativen

Die raumordnerische Stellungnahme bestätigt in außergewöhnlicher Deutlichkeit die vielfältigen und schwerwiegenden Risiken des Lithiumprojektes. Wasser, Hochwasser, Trinkwasserversorgung, Welterbe, Tourismus, Natur, Landschaft und Lebensqualität stehen in einem bislang nicht auflösbaren Spannungsverhältnis zu den Projektplänen.

Wir Bürgerinitiativen sehen uns in unserer Haltung klar bestätigt:
Das Lithiumprojekt Zinnwald ist kein zukunftsfähiges Vorhaben für diese Region. Es ist nur unter extrem strengen, bislang nicht erfüllten Voraussetzungen überhaupt genehmigungsfähig.

Wir fordern daher, die weiteren Planungen transparent, ergebnisoffen und unter konsequenter Beachtung aller raumordnerischen Maßgaben fortzuführen – und insbesondere den Schutz von Trinkwasser, Hochwassersicherheit, Welterbe, Natur und Tourismus nicht wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.

 


Alternativer Standort Liebenau für Zinnwald Lithium

BM Wiesenberg informierte uns darüber, dass die Zinnwald Lithium GmbH (ZL) von ihren Plänen auf Bärensteiner und Hirschsprunger Flur eine Aufbereitungsanlage und Deponie zur Lithiumgewinnung zu errichten, offensichtlich abgerückt ist. Gleichzeitig stellte er uns neue Pläne vor, welche (in jeglicher Hinsicht) auf den ersten Blick eher sinnvoll erscheinen hinsichtlich technischer Umsetzbarkeit sowie Umweltverträglichkeit. Diese neuen Pläne sehen nunmehr die Verwirklichung des Projektes auf den Fluren zwischen Liebenau und Breitenau in Autobahnnähe vor.
 
Zuerst waren wir aus Bärensteiner Sicht erleichtert, dass die ZL von dem wahnsinnigen Projekt in Bärenstein möglicherweise abgerückt ist. Allerdings wirft auch diese neue Variante Fragen auf.
 
Wir als Bürgerinitiative Bärenstein vertreten weiterhin die Meinung (oder sind der Auffassung), dass man dieses grenzüberschreitende Lithiumprojekt im gesamt-europäischen Zusammenhang hinsichtlich der Rohstoffunabhängigkeiten der EU von Ländern wie China betrachten, die europäischen Interessen bündeln und eine gemeinsame Umsetzung mit Tschechien prüfen sollte.
 

Wie sehen die neuen Pläne der Zinnwald Lithium nun aus?

alternativer standort zinnwald lithium in liebenauDie neuen Pläne umfassen ca. 400ha auf Liebenauer Flur, allerdings sind hier die Ausgleichsflächen mit inbegriffen. So sollen beispielsweise zwischen der Ortslage Liebenau und „Neuer Querweg“ Streuobstwiesen und ein Wald angelegt werden, welche als Sicht,- Lärm,- und Staubschutz dienen sollen. Hinter dem neuen Querweg direkt an der S174 sollen die chemisch – metallurgische Aufbereitung, Logistik, Büros und Reststoffdeponie auf ca. 130 ha entstehen. Auf der südlichen Seite der S174 soll die mechanische Aufbereitung auf 35ha errichtet werden. Daneben soll sich noch das Mundloch befinden, welches Liebenau über einen ca. 10 km langen Stollen mit der Grube in Zinnwald verbindet.  Dazu fand am 14.03.2024 in Liebenau auf Initiative des Liebenauer Ortschaftsrates eine Infoveranstaltung zu dem Projekt statt.  Neben der ZL war auch BM Wiesenberg und Vertreter der TÖB vor Ort. 
 
 

52. Stadtratssitzung in Altenberg am 18.03.2024

Zum gesamten Thema Lithium waren auf der Sitzung vom Stadtrat aktuell keine Entscheidungen zu treffen. Die Stadtratssitzung begann mit der Abstimmung zur Entfernung der Punkte 12 und 13 von der Tagesordnung durch den Bürgermeister, abgestimmt durch die Stadträte. Auch unser Stadtrat aus Bärenstein, Uwe Eberth und Bernd Greif haben für die Streichung gestimmt. Diese beiden Punkte enthielten den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan sowie den Erlass einer Veränderungssperre für die Flächen nördlich von Liebenau, die sich die Zinnwald Lithium als alternativen Standort für Aufbereitung und Deponie nunmehr ausgesucht hat. BM Wiesenberg hat dazu erklärt, dass aufgrund der geplanten Abstimmung der Einwohner von Liebenau zum Vorhaben deswegen im Stadtrat keine Entscheidung zum Bebauungsplan getroffen werden kann.
 
In der Bürgerfragestunde erhielt die IG Zinnwald die Gelegenheit, erneut Fragen und Kritik an die Stadträte zu formulieren, die die Vorgehensweise der Stadträte und der Zinnwald Lithium kritisierten. Unsere Stadträte erwiderten, dass auch sie erst aus der Presse von den neuen Plänen erfahren hätten. BM Wiesenberg erinnerte die Stadträte an ihr Informationsportal, in dem Neuigkeiten bereits drei Tage vorher publiziert wurden.
 

Auch die Bürgerinitiative Bärenstein vertrat ihren Standpunkt

Bernd Seifert kritisierte ebenfalls die Vorgehensweise des Stadtrates im Umgang mit dem für unsere gesamte Region so einschneidenden Projekt. Erst wenn man selber betroffen ist, reagiert der jeweilige Stadtrat und alle anderen schauen betroffen zur Seite. So können wir nicht auf Augenhöhe mit einem Aktienkonzern verhandeln! BM Wiesenberg verwies zuvor auf die Dringlichkeit des Bebauungsplanes, um der Stadt Altenberg die Möglichkeiten zu geben, das Projekt mitzugestalten.
 
Anika Wilke fordert einen von der Stadt Altenberg initiierten demokratischen Prozess, um für unsere Region die am wenigsten einschneidende und Umwelt schonendste Alternative zu finden, mit der der Erhalt der Lebensqualität für die hier ansässige Bevölkerung  und Bergbau gleichzeitig ermöglicht wird. Die Bürgerinitiative forderte eine Informationsveranstaltung für ALLE Bürger der Region. Diese solle die Stadt Altenberg ausrichten und die Träger öffentlicher Belange und die Zinnwald Lithium dazu einladen.
 
Lukas Häuser berichtete von der Förderrichtlinie Bürgerbeteiligung, um die Rahmenbedingungen durch Kommunen so zu gestalten, dass Bürgerbeteiligung in größerer Breite ermöglicht und praktiziert wird. Auf Nachfrage des BM interessierte sich kein Stadtrat für Fördermittel, nicht einmal die betroffenen Herren Stadträte Eberth und Wolf. Die Bürgerinitiative wird dem Bürgermeister in den nächsten Tagen weitere Informationen übersenden und hofft, damit einen Entscheidungsprozess mit Bürgerbeteiligung anzuregen, der für uns alle nachvollziehbarer und transparenter ist.
 
Der ehemalige BM Herr Kirsten warf ein, dass ein neuer Rahmenbetriebsplan für das Projekt Zinnwald Lithium nur aufgestellt werden kann, wenn zuvor der alte, von der Stadt beschlossene Rahmenbetriebsplan von 2019 (Standort: Altenberg Europark) aufgehoben wird.
 
Herr Wolf aus Liebenau verwies auf die Belastungen in der Gemeinde Liebenau, die mit der Mitteilung der Zinnwald Lithium, eine Trockendeponie und chemische Aufbereitung auf ihrem Gemeindegebiet zu errichten, einherging. „Herr Wolf, wir steckten vor acht Monaten in Ihrer Haut. Bitte erheben Sie sich mit Ihren Mitstreitern und kämpfen Sie für Ihre Rechte. Verweisen Sie gegenüber der Zinnwald Lithium auf den alternativen Standort in Tschechien, um im Raumordnungsverfahren eine raumschonende Alternative zu präsentieren!“ 
 
Stadtrat Mathias Wolf aus Liebenau berichtete von seinem Gespräch mit Landrat Michael Geisler, der ihm gesagt habe, dass es keine Windräder in Liebenau geben werde. „Herr Wolf, wiegen Sie sich nicht in Sicherheit und bedenken Sie, dass auch Herr Geisler einen Chef hat. Politische Gegebenheiten werden nicht von Lokalpolitikern verhindert, sondern zu Wahlkampfzwecken auf höherer Ebene genutzt.“
Zinnwald Lithium spekuliert darauf, im Rahmen des EU Raw Materials Act als Vorzeigeprojekt, mit verkürzten Genehmigungsprozessen schnell viel Geld zu verdienen und bekommt am Ende sogar noch Fördergelder dafür.
 

Wie geht es weiter?

Wir werden in naher Zukunft erleben, dass die Zinnwald Lithium ins Raumordnungsverfahren (ROV) eintritt und zu den neuen Flächen in Liebenau Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit, Wasserhaushalt etc. unternimmt. Rein rechtlich hat die Stadt Altenberg bereits 2019 einem neuen Bergbau zugestimmt und das Oberbergamt (OBA) hat die Förderlizenz bereits erteilt. Der von allen Seiten geforderte, raumschonendere Alternativstandort wurde mit Liebenau gefunden. Somit hat die Zinnwald Lithium gute Aussichten, im ROV zu bestehen. Das Oberbergamt startet danach das Planfeststellungsverfahren mit allen Konsequenzen. Sollte der Raw Materials Act die Genehmigungsverfahren verkürzen, ist Herr Uhlig mit seinen Plänen für einen Baubeginn in 2026 nicht sehr weit entfernt.
 

Wir wollen eine verträgliche Lösung für alle finden und uns nicht von der Zinnwald Lithium wie die Sau durchs Dorf treiben lassen.

Beteiligt euch! Wir sprechen hier über ein Projekt, dass die nächsten 50 Jahre unsere Region beeinflussen wird. Die Zinnwald Lithium verspricht viel Geld und wird aber auch viel Dreck in der Region hinterlassen. Satellitenvorkommen in Sadisdorf, Falkenhain, Sachsen- und Hegelshöhe werden mit einer gebauten Fabrik nicht aufzuhalten sein, und wir werden uns somit u. a. auch mit zunehmendem Verkehr auseinandersetzen müssen – völlig unerheblich, wo die Anlage gebaut wird. Dies ist ein Aufruf an all die jungen und älteren Menschen, die hier in unserer Region leben, arbeiten und die Natur schätzen. Wir brauchen euch alle, zusammen sind wir stark und müssen das jetzt für unsere Region klären!
 
Alle Bürgerinnen und Bürger, Stadträte und besonders ihr Liebenauer –  bitte meldet euch und informiert euch bei uns und mit uns! Die vielen Fragen, die euch im Kopf herumgehen, stellten sich uns bereits auch und wir teilen unsere Erfahrungen gerne mit euch. 
Unser nächster Stammtisch findet im Rathaus Bärenstein am 3.4.2024, ab 19 Uhr statt. Unsere Kontakt E-mail: bi@baerenstein.org
Bürgerinitiative Bärenstein
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