Wie Zinnwald Lithium im Osterzgebirge Symbolik blitzschnell zu Investorennarrativen macht
Am Freitag ließ sich im Osterzgebirge politische Prominenz blicken:
Stefan Rouenhoff (Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium), Sebastian Scheel (Sächsisches Wirtschaftsministerium), Andreas Handschuh (Sächsische Staatskanzlei) sowie Oliver Schenk (CDU-Europaabgeordneter) waren zu Gast bei der Zinnwald Lithium GmbH. Gastgeber: Geschäftsführer Marko Uhlig – von Kritikern längst „Märchenuhlig“ genannt.
Bürgerinnen, Bürger und Bürgerinitiativen aus Bärenstein, Liebenau und Zinnwald waren zu diesem Pressetermin nicht geladen. Sie warteten vor dem Firmengelände und protestierten dort. Erst nach dem offiziellen Teil suchte Staatssekretär Rouenhoff das Gespräch. Die Bürger informierten die Politiker über ihre Gegenargumente. Für die Zinnwald Lithium GmbH blieb der Politikerbesuch ohne Folgen. Höflich, sachlich – aber ohne jede konkrete Zusage. Kein Geld, kein beschleunigtes Verfahren, keine Entscheidung. Ob das Projekt wirtschaftlich sei, darüber müssten letztlich die Investoren befinden.
Bereits am Montag darauf hatten genau diese Investoren die passende Geschichte im Postfach.
Per E-Mail informierte Zinnwald Lithium seine Anleger über eine angeblich neue Lage:
“We’ve just released the following announcement to the LSE:
LSE:ZNWD Zinnwald Lithium PLC – Strong Support from German Federal Government”
Der zeitliche Zusammenhang ist bezeichnend:
Ein unverbindlicher Politbesuch am Freitag – wenige Stunden später wird daraus eine Börsenmeldung, flankiert von wohlklingenden Formulierungen über „starke Unterstützung“ und strategische Bedeutung.
Die Realität im Osterzgebirge sieht anders aus.
Die Machbarkeitsstudie läuft noch.
Umwelt- und Sozialunterlagen mussten bereits korrigiert werden.
Zentrale Fragen zu Wasserverfügbarkeit, Haldenflächen, Verkehr, Flächenverbrauch und Langzeitfolgen sind ungelöst.
Der Widerstand vor Ort wächst.
Doch all das taucht in der Investorenerzählung nicht auf. Stattdessen dient politische Prominenz als Kulisse, um Fortschritt zu suggerieren, wo es faktisch keinen gibt. Aus allgemeinen Aussagen werden Versprechen, aus Symbolik wird Rückenwind – zumindest auf dem Papier.
Solche Termine sind in frühen Projektphasen nichts Besonderes. Auffällig ist nur die Geschwindigkeit, mit der daraus ein Börsenmärchen gestrickt wird. Wer aus einem Höflichkeitsbesuch „starke staatliche Unterstützung“ formt, greift erkennbar nach jedem verfügbaren Strohhalm – offenbar, um Investoren bei der Stange zu halten.
Für das Osterzgebirge ändert sich dadurch nichts.
Keine Sicherheit.
Keine Klarheit.
Kein Fortschritt.
Das Märchen wurde am Montag an der Börse verteilt.
Vor Ort glaubt es längst kaum noch jemand.
